archiv

Speicher, Depot, Archiv, Museum – Orte an denen Erinnerung traditionelle abgelagert werden, sind längst nicht nur Metaphern sondern konkrete Formen zeitgenössischer Kunst geworden. Bei Martin Zellerhoffs 63teiliger Serie Archiv handelt es sich um die Abbildung einer eben solchen Sammlung, angelegt als Arbeitsmaterial und private Gedächtnisstütze einer Kunsthistorikerin. Zellerhoff fotografierte die Dia-Sichtkassetten aus transparentem Kunststoff auf einem Leuchttisch, auf dem man im Zeitalter der analogen Fotografie Dias und Negative mit der Lupe betrachtete und sortierte. Der leicht desolate Zustand des Konvoluts scheint jene Bildtheorien, die den Untergang dieses Mediums vorhergesagt hatten, zu bestätigen.

Zellerhoff, dessen Praxis sich seit langem mit Konventionen der Bildproduktion und -präsentation befasst, reflektiert in Archiv den parallelen Prozess des Verschwindens von Motiv und Medium aus der Doppelrolle des Mannes hinter der Kamera und Bildredakteurs seine eigenen Ausstellungen heraus. In der Gesamtheit der Präsentation der Serie Archiv im Raum und Re-präsention im Katalogsind die eigenen Fotos nur ein Teil der persönlichen Arbeit. Er zeigt im Grunde fremde Bildkombinationen und stülpt ihnen ein eigenes Hyperimage über. Eindeutig kann es nicht sein: Hier ist das Medium die Botschaft. Ein Medium, das strikt referenziell arbeitet. Der Fotograf als Mann mit dem richtigen Standpunkt hat sich verabschiedet. Solche Kunst speist sich aus der Überzeugung, dass Geschichte und Konventionen der Fotografie, ja der Apparat selbst dem Betrachter genug zu erzählen haben. Zellerhoffs Bilder sehen daher oft geradezu einfach – quasi ‚unkünstlerisch’ – aus, stecken aber voller Informationen, Andeutungen und Hinweisen.