Clemens Heinrich

Martin Zellerhoff

Die Ergebnisse, die der Düsseldorfer Fotograf Martin Zellerhoff mit seiner Werkgruppe ‚Bild‘ präsentiert, verblüffen nachhaltig. Denn seine Bearbeitungen von Fotografien verwandeln dieselben in ‚Bilder‘, deren mediale Herkunft nicht mehr rekonstruierbar, sondern nur durch Vorwissen bekannt ist. Vom Entstehungsprozess her gesehen, werden Fotografien digitalisiert und mit handelsüblicher Software, die entgegen ihrem eigentlichen Gebrauchssinn genutzt wird, in optische oder akustische Zeichenmuster umgewandelt. Die Zeichenmuster erinnern an Morsezeichen oder an therrauschen. ‚Meine Arbeiten‘, sagt der Künstler, ‚geben die zweidimensionale Fläche des Bildes in der linearen eindimensionalen Struktur des Computers wieder. Sie tun dies als Text, Sounds oder Sprache‘.

Für Labor-Techno hat Martin Zellerhoff die sich zu einem Prospekt zusammenschließenden Wände der Tageslichträume mit wie notiert wirkenden Morsezeichen bedruckt, unter die er einen grauen Fond setzte. Die fotografische Vorlage erscheint nicht, wie es auch sonst in der Werkgruppe ‚Bild‘ der Fall ist. Von der Seite der Fotografie könnte deshalb fast ein delinquentes Verhalten unterstellt werden, da sie nur als Grundlage für die Konstitution einer unfotografischen Zeichenwelt genutzt wird, statt selbst in Erscheinung zu treten. Die Arbeit bildet den Informationsgehalt der Fotografie ab. Nur durch den Titel wird auf die Welt gezeigt. Allerdings geschieht das nie konkret durch eine genaue topografische Verortung; statt dessen wird eine assoziative Gedankenkette ausgelöst, die sich an die Vorstellung von z.B. ‚Markt‘ oder ‚Bahnhof‘ anschließt. Darüber hinaus kommt es zu einer begrifflichen Abstraktion, die nach den Grundnotwendigkeiten eines Dings fragt, die dieses erst zu einem Markt, Bahnhof usw. machen.

Die bildnerische Sprache zeigt sich bei Martin Zellerhoff nicht als abbildhaft, sondern als unabgleichbar und selbstreferentiell. Auch fügt sie sich nicht in die Vorstellung von Sprache als Kontinuum ein, nach der sie sich fast unmerklich verändere und trotzdem allgemeinverständlich bleibe. Der hohe Grad der Formalisierung der Zeichen-Arbeiten von Martin Zellerhoff fährt zur Erfahrung eines elementaren Musters. Das Muster ist als ein veränderliches Paradigma zu verstehen, das sich von der Tiefenstruktur her entwickelt. Dadurch, dass nicht die Oberfläche, sondern die Substanz der Bilder, d.h. ihre nicht aufzuschlüsselnde Information, gezeigt wird, werden die BetrachterInnen ihre individuellen Bildverfügungsmechanismen überprüfen und letztlich als Muster statt als Kontinuum erfahren müssen.

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